Antisemitisms zwischen Kontinuität und Adaptivität – Interdisziplinäre Perspektiven auf Geschichte, Aktualität und Prävention

I was privileged to contribute a chapter on my dissertation project for the anthology ‚Anti-Semitism between Continuity and Adaptivity‘. This volume was published in the follow-up of the 1st Interdisciplinary Anti-Semitism Conference for Young Scholars at V&R unipress. You can read my text here in the Vandenhoeck & Ruprecht e-library.

Erste Seite des Aufsatzes Christian Kleindienst, Antisemitismus und Geschlecht – Zur Integration und Kritik antisemitischer Ressentiments in der (west-)deutschen und US-amerikanischen Frauenbewegung (1970–2001). Christian Kleindienst Antisemitismus und Geschlecht – Zur Integration und Kritik antisemitischer Ressentiments in der (west-)deutschen und US-amerikanischen Frauenbewegung (1970–2001) In den Diskussionen der sozialwissenschaftlichen Antisemitismusforschung um wandelbare Artikulationsformen erfuhr das Verhältnis von Antisemitismus und Geschlecht bisher kaum Beachtung. Die wissenschaftliche Literatur zu Antisemitismus fokussierte imWesentlichen aufmännliche Antisemiten, auch wenn in den letzten Jahren vereinzelte Beiträge erschienen sind, die auf antisemitische Frauen sowie Antisemitismus und Geschlecht reflektiert haben. Eine erste systematische Darstellung dieser Beiträge legte Dana Ionescu im Jahr 2015 vor.2 In ihremAufsatz „Die Figur der Antisemitin“ gab Ionescu einen Forschungsüberblick über zentrale Beiträge, die sich mit Antisemitismus von Frauen und der Frage möglicher geschlechterspezifischer Unterschiede beschäftigten. Im Mittelpunkt ihrer chronologischen Darstellung standen psychoanalytische Ansätze sowie jüngere sozialpsychologisch- empirische Untersuchungen, in denen Geschlecht und Antisemitismus thematisiert werden. Dies möchte ich, erstens, zum Anlass nehmen, die Begrenztheit psychoanalytisch fundierter Beiträge zum Verhältnis von Antisemitismus und Geschlecht kritisch zu diskutieren und den Erkenntniswert von geschlechterhistorischen Perspektiven auf Antisemitismus nachzuzeichnen. Zweitensmöchte ich in kondensierter FormantisemitismusbezogeneDiskursstränge in feministischen Bewegungskontexten der Bundesrepublik und den USA zwischen 1970–2001 in Hinblick auf verflechtungsgeschichtliche Dimensionen skizzieren. Diese sind vorläufige Ergebnisse der diskursanalytischen Auswertung und historischen Kontextualisierung feministischer Publikationen und Archivalien im Rahmen meines Dissertationsprojektes. 1 Ausdrücklich sei Kerstin Dembsky, Franz Winkler und Leonhard Riep für ihre hilfreichen Anmerkungen zur Überarbeitung des Vortragsmanuskripts gedankt. 2 vgl. Ionescu 2015, S. 273–292.

Abstract: The relationship between antisemitism and gender has so far received little attention in the discussions of antisemitism research in the social sciences. The academic literature on antisemitism focuses mainly on male antisemites, even though in recent years there have been few, isolated contributions that have reflected on antisemitic women and . A desideratum of research on antisemitism that remains to be addressed, are studies that investigate antisemitism of women in the context of specific historical and social contexts and raise questions about the cultural embedding of antisemitic ideas in other contexts. Therefore, the paper firstly addresses the limitations of psychoanalytically based contributions on the relationship between antisemitism and gender and discusses the epistemological value of gender-historical perspectives on antisemitism. Second, the paper traces in condensed form antisemitism-related discourse strands in feminist movement contexts in the Federal Republic and the United States between 1970-2001 from an entangled history / transnational history perspective.


Christian Kleindienst, Antisemitismus und Geschlecht – Zur Integration und Kritik antisemitischer Ressentiments in der (west-)deutschen und US-amerikanischen Frauenbewegung (1970–2001), in: Lennard Schmidt/Andreas Borsch/Salome Richter/Marc Seul/Luca Zarbock/Niels Heudtlaß (Hg.), Antisemitismus zwischen Kontinuität und Adaptivität, 1. Aufl., Göttingen 2022, 121–136. https://doi.org/10.14220/9783737014984.121

Call for Contribution: Interdisziplinärer Workshop „Feminism is a battlefield“

Wie erforschen wir Konflikte der Queer- und Frauenbewegungen?


„Wie erforschen, was sich bewegt?“

Susanne Maurer

Wie lassen sich Queer- und Frauenbewegungen analysieren und befragen, wenn sie gleichzeitig als soziale Bewegungen stetig in Veränderung, in Bewegung begriffen sind?

Im Rahmen des interdisziplinären Workshops Feminism is a battlefield von und für Nachwuchs-wissenschaftler:innen, Aktivist:innen und Künstler:innen wollen wir uns einem Verständnis von sozialen Bewegungen über ihre Konflikte nähern. Dabei können sowohl historische als auch gegenwärtige Konflikt- und Bewegungsräume der Queer- und Frauenbewegungen im Fokus stehen. Die Erziehungswissenschaftlerin Susanne Maurer hat im Rahmen dieses Spannungsfeldes auf die Brisanz von Konflikten für die Frauenbewegungsforschung hingewiesen. Sie versteht Konflikte als Spuren und als Schlüssel zum Verständnis für längerwährende Prozesse und wichtige Ereignisse und Themen der Bewegung, aber auch der gesamten Gesellschaft.
Alle Queer- und Frauenbewegungen lagen und liegen mit gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen im Streit, führ(t)en aber auch Konflikte unter- und zwischeneinander. Sie kämpf(t)en gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Enteignung, rungen und ringen um Differenzen, Anerkennung und Umverteilung und formulier(t)en Utopien für eine andere Zukunft. Indem wir uns speziell den streitbaren Räumen und Konflikten, in denen Bewegungsziele ausgehandelt werden, zuwenden, wollen wir eine Perspektive eröffnen, die es ermöglicht Queer- und Frauenbewegungen in ihrer Heterogenität und Komplexität zu erforschen.

Mögliche Themen/Fragen für Beiträge könnten sein:

  • Wie lässt sich eine Geschichte der Queer- und Frauenbewegungen schreiben, die Vielfältigkeit und Differenzen der Akteur:innen sowie ihrer feministischen Kritik und Visionen erfassen kann?
  • Welche Formen von Konflikten der Queer- und Frauenbewegungen finden sich in Gegenwart und Geschichte? Z.B. Aushandlungen um Inhalt und Ausrichtung feministischer Kritik oder Kämpfe um die politischen Subjekte der Bewegungen
  • Wie gestalten sich Konflikte zwischen den einzelnen Bewegungen und ihren Akteur:innen?
  • Wie reagier(t)en Queer- und Frauenbewegungen auf sich verschärfende gesellschaftliche Konflikte und Angriffe gegen emanzipatorische Errungenschaften?
  • Welche Konflikte und Akteur:innen werden erinnert und welche geraten in Vergessenheit?
  • In welchen Bewegungsräumen und -medien wurden und werden Konflikte ausgehandelt?
  • Wie wird Zugehörigkeit in Bewegungsräumen hergestellt? Welche Inklusions- und Exlusionsmechanismen lassen sich beschreiben?
  • Welches methodische Handwerkszeug braucht es, um Konflikte als produktive Analysegegenstände in der sozialwissenschaftlichen und historischen Geschlechterforschung interdisziplinär zu erschließen?

Wir möchten am 6. und 7. Mai 2022 gemeinsam in Leipzig Ihre und Eure Forschungsarbeiten rund um Konflikt- und Bewegungsräume in Queer- und Frauenbewegungen – vor allem anhand mitgebrachter Quellen – diskutieren. Bringt mit, was euch bewegt!
Der Workshop wird Werkstattcharakter haben und ist interdisziplinär angelegt. Er richtet sich sowohl an historisch, soziologisch, kulturwissenschaftlich, philosophisch und künstlerisch Arbeitende sowie an politisch Aktive.
Es können auch Vorschläge eingereicht werden, die am Rande des Themas zu liegen scheinen. Die inhaltliche Schwerpunktsetzung des Workshops wird durch die        Einreichungen mitgestaltet.

Wir bemühen uns um Finanzierung der Fahrt- und Übernachtungskosten.

Bei Interesse senden Sie/sendet bitte ein kurzes Exposé (ca. Eine Seite) bis zum 20. Januar an: [email protected]

Der Workshop wird organisiert von

Kassandra Hammel (Albert-Ludwig-Universität Freiburg)
Christian Kleindienst (Universität Leipzig)
Pia Marzell (Friedrich-Schiller-Universität Jena)
Barbara Schnalzger (Universität Leipzig & MONAliesA Leipzig)
Constanze Stutz (TU Dresden)
und ist ein Kooperationsprojekt mit 
der Feministischen Bibliothek MONAliesA Leipzig
sowie dem Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Der Call kann ebenfalls auf H-Soz-Kult und dem Theorieblog eingesehen werden.

Das Programm des Workshops kann hier eingesehen werden: